Donnerstag, 23. März 2017

Dresdner Lohengrin bei ARTE und bald auf DVD
































Im Mai 2016 debütierte Anna Netrebko an der Dresdner Semperoper als Elsa und sang damit ihre erste Wagnerrolle - das Ereignis war viele Jahre im Voraus angekündigt und wurde mit Spannung erwartet. Es hat mehr als gut funktioniert, kurz danach hat sie mit zwei Vorstellungen in St. Petersburg nachgelegt. Ob sie die Elsa allerdings jemals wieder singen wird steht in den Sternen, im Moment sind keine weiteren Termine angekündigt. Gerüchte über einen Auftritt bei den Bayreuther Festspielen, wenn dort 2018 ein neuer Lohengrin herauskommt, wurden bislang nicht bestätigt. Jetzt wird aber endlich die Aufzeichnung der Dresdner Aufführung zugänglich, ARTE zeigt den Lohengrin am 30. April 2017 ab 22.50 Uhr in voller Länge. Und auch für die DVD-Veröffentlichung durch die Unitel kursiert schon seit längerem ein Coverentwurf. Die musikalische Leitung hatte selbstverständlich Christian Thielemann inne, neben Netrebko war ein kaum besser auszuwählendes Solistenensemble engagiert: Evelyn Herlitzius als Ortrud, Georg Zeppenfeld als König Heinrich, Tomasz Konieczny als Telramund und - als besonderer Clou - Piotr Beczala mit seinem Debüt in der Titelpartie, dem bislang auch keine weiteren Lohengrin-Auftritte folgten. Gespielt wurde die aufpolierte Uralt-Inszenierung von Christine Mielitz aus dem Jahr 1983, die noch im Dresdner Schauspielhaus, zwei Jahre vor der Wiedereröffnung der Semperoper zur Premiere kam.

Mittwoch, 22. März 2017

Adé Zeittunnel













Der legendäre Götz-Friedrich-Inszenierung von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen an der Deutschen Oper Berlin geht in seine letzte Runde, noch zwei Mal steht der komplette Zyklus im April 2017 unter der Leitung des Generalmusikdirektors Donald Runnicles auf dem Spielplan. Die Produktion hatte in der Saison 1984/85 Premiere, als Berlin noch geteilt war. Auch der Mauerfall fünf Jahre später konnte der zeitlosen Interpretation des Stoffes nichts anhaben, immer wieder kam das Werk - in wechselnden prominenten Besetzungen - aufs Programm. Und das Publikum kam, bis heute - es gibt wohl keine vergleichbar erfolgreiche Ring-Inszenierung auf der Welt. Jetzt ist Schluss, aber die Deutsche Oper arbeitet bereits an der Nachfolgeporoduktion: Regiestar Stefan Herheim wird 2020 seinen ersten Ring herausbringen, ebenfalls wieder unter der Leitung von Donald Runnicles. Die Vorarbeiten laufen bereits. Bekannt wurde jetzt, dass Daniel Barenboim im Berliner Ring-Streit zurück gesteckt hat: Er wird seinen neuen Ring in der Staatsoper Unter den Linden erst zwei Jahre später herausbringen, im Jahr 2022 begeht er auch seinen achtzigsten Geburtstag.

Freitag, 23. Dezember 2016

Edita Gruberova zum Siebzigsten













Sie singt und singt und singt - und heute wird sie unglaubliche siebzig Jahre alt! Herzlichen Glückwunsch Edita Gruberova!

Eine ausführliche Würdigung ihres künstlerischen Wirkens gibt es bei BR Klassik.

Donnerstag, 22. Dezember 2016

Thielemann-Ring im Januar 2018 in Dresden












Die Semperoper Dresden kündigt für Januar/Februar 2018 zwei zyklische Aufführungen von Richard Wagners Der Ring des Nibelungen unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann an. Gezeigt wird nach wie vor die Inszenierung von Willy Decker, die gerade Schritt für Schritt wieder aufgenommen wird.  In dieser Saison sind Das Rheingold und Siegfried dran. Auf dem Besetzungszettel stehen bislang keine überraschenden Namen: Petra Lang (Brünnhilde), Christa Mayer (Fricka, Erda, Waltraute), Georg Zeppenfeld (Fasolt, Fafner, Hunding), Andreas Schager (Siegfried), Albert Dohmen (Alberich), Gerhard Siegel (Mime) und Kurt Streit (Loge). Christian Thielemann hatte den kompletten Ring zuletzt in Bayreuth und in Wien dirigiert. Der Vorverkauf für die Zyklen beginnt am 25. Januar 2017, für Einzelvorstellungen später.

Samstag, 8. Oktober 2016

Livestreams der Bayerischen Staatsoper 2016/17












Bereits die fünfte Saison läuft das erfolgreiche Livestreamprogramm der Bayerischen Staatsoper, bei welchem die Übertragungen nach wie vor kostenlos angeboten werden. An diesem Wochenende macht die aktuelle Neuproduktion Die Meistersinger von Nürnberg den Auftakt, ein aus dem Sommer nachgeholter Stream. Am 06. November 2016 steht die Neuinszenierung von Donizettis La favorite auf dem Programm, es singen Elīna GarančaMatthew Polenzani und Mariusz Kwiecien. Danach inszeniert Altmeister Harry Kupfer die Lady Macbeth von Mzensk von Dmitri Schostakowitsch mit Anja Kampe in der Titelrolle (Livestream am 04. Dezember 2016) und es wird auch die ebenfalls mit Spannung erwartete Neuproduktion von Rossinis Semiramide mit Joyce DiDonato, Alex Esposito, Daniela Barcellona und Lawrence Brownlee gezeigt (Livestream am 26. Februar 2017). Einer der großen Höhepunkte der Münchner Opernsaison dürfte die Neudeutung des Tannhäusers durch Romeo Castellucci sein, die Bestzung ist mehr als erlesen: Georg Zeppenfeld, Klaus Florian Vogt, Christian Gerhaher, Anja Harteros und Elena Pankratova (Livestream am 09. Juli 2017). Damit stehen vier wichtige Neuproduktionen der neuen Saison auf dem Programm, jetzt schon mal die Termine vormerken, alle weiteren Informationen sind auf der Homepage der Bayerischen Staatsoper zu finden.

Freitag, 7. Oktober 2016

Kostenloser Meistersinger-Livestream aus München













Die Bayerische Staatsoper holt an diesem Wochenende, den Ende Juli wegen der Trauerfeier für die Opfer des Amoklaufes abgesagten Livestream der diesjährigen Neuproduktion Die Meistersinger von Nürnberg nach. Am Samstag, 8. Oktober um 16 Uhr geht es los - Jonas Kaufmann ist aber leider nicht wie geplant dabei, er musste die komplette Serie aus gesundheitlichen Gründen absagen und wird durch Robert Künzli ersetzt, der nun den Stolzing singt. Die musikalische Leitung der Aufführung hat Kirill Petrenko.

Montag, 26. September 2016

Jonas Kaufmann sagt Meistersinger in München ab
















Mit drei Terminen ist die Reprise der Münchner Neuproduktion Die Meistersinger von Nürnberg für Anfang Oktober im Nationaltheater angesetzt, diese werden jetzt ohne Jonas Kaufmann als Walther von Stolzing stattfinden. Er musste aus gesundheitlichen Gründen absagen und wird durch Burkhard Fritz ersetzt, der damit nach dem Lohengrin im Frühjahr bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr zu Einspringer-Ehren in einem Stück von Richard Wagner an der Bayerischen Staatsoper kommt. Jonas Kaufmann hatte als Stolzing erst in der Premiere dieser Meistersinger-Inszenierung im Sommer sein erfolgreiches Debüt in der Partie gegeben, wir wünschen ihm gute Genesung. Gegenüber der Premierenserie gibt es noch ein paar weitere Umbesetzungen: Georg Zeppenfeld übernimmt den Pogner und Martin Gantner den Beckmesser, Emma Bell die Eva und Claudia Mahnke die Magdalene. Die Meistersinger sind in München Chefsache: Alle drei Aufführungen werden selbstverständlich von Kirill Petrenko dirigiert. Es gibt übrigens noch Restkarten für alle Termine der Serie und im Forum der Bayerischen Staatsoper häufen sich seit der Absage die Kartenangebote, was zumindest irritierend ist, weil die Aufführung auch ohne den Startenor mehr als hochkarätig ist. Vielleicht tauscht sich ja das Publikum nun in Richtung mehr Sachverstand und Musikbezug aus, schaden kann das in München nie!

Donnerstag, 1. September 2016

Singt Anna Netrebko die Elsa in Bayreuth?















Es war eines der Ereignisse der vergangenen Opernsaison: Anna Netrebko debütierte in Dresden an der Semperoper als Elsa in Richard Wagners Lohengrin unter der musikalischen Leitung von Christian Thielemann. Sie überzeugte auf der ganzen Linie und schien mit ihrem Erfolg Gerüchte zu bestätigen, dass sie auch auf dem Grünen Hügel in dieser Partie auftreten werde. Bei den Bayreuther Festspielen steht die nächste Neuproduktion des Werkes im Jahr 2018 an, die musikalische Leitung hat dann wiederum Christian Thielemann - der damit den kompletten Bayreuther Werkkanon vor Ort absolviert haben wird. Die Inszenierung soll Alvis Hermannis übernehmen, die Ausstattung der eher als bildende Künstler bekannt Neo Rauch. So weit, so gut. Nun muss trotz aller verkündeten Begeisterung die Vorbereitung des Debüts in Dresden anstrengend gewesen sein: Christian Thielemann hatte es mir eingebleut, dass es auf die Worte ankommt. Er sagte, er wolle keine musikalischen Linien von mir hören, er wolle Tttexssssttt hören! Vokale! Konsonanten! Elsa war wirklich hart. Da sich die Netrebko wirklich raussuchen kann, was sie wann, wo und mit wem macht klang das wie die Einläutung eines geordneten Rückzugs aus dem deutschen Fach, in welches sie doch gerade erst so vielversprechend gestartet war. Nach ein paar öffentlichen Irritationen hat man sich jetzt auf die Sprachregelung verständigt: Wir sind in Verhandlungen! Also alles noch offen, ein bisschen Zeit ist ja noch bis 2018 und die Hoffnung stribt bekanntlich zuletzt, auch in Bayreuth.

Montag, 29. August 2016

Hartmut Haenchen bleibt auch 2017 in Bayreuth

Es war sein Wunsch, den Parsifal noch mal richtig zu machen und der wird ihm jetzt gewährt und eine Zugabe gibt es noch obendrauf: Hartmut Haenchen, der in diesem Jahr die Neuproduktion des Parsifal bei den Bayreuther Festspielen erst kurz vor der Premiere übernommen hat, wird seine Arbeit am Grünen Hügel auch 2017 fortführen und die musikalische Leitung der Wiederaufnahme übernehmen. Sein Einspringen in diesem Sommer war notwendig geworden, weil der ursprünglich vorgesehene Dirigent Andris Nelsons seinen Vertrag kurzfristig gekündigt hat und Ende Juni aus Bayeuth abgereist ist. Über die tatsächlichen Gründe dafür ist immer noch nichts bekannt. Noch fraglicher dürfte es jetzt sein, ob Andris Nelsons je wieder nach Bayreuth zurückkehren wird. Schon länger wurde kolportiert, dass er die nächste Ring-Produktion, die ab 2020 gespielt wird, musikalisch leiten werde. Für Hartmut Haenchen gibt es noch eine Zugabe, er wird am 24. Juli 2017 - also einen Tag vor der Eröffnung der Festspiele mit der Premiere von Die Meistersinger von Nürngberg - eines der sehr seltenen Sonderkonzerte im Festspielhaus leiten. Anlass dieses Gedenkkonzerts ist der einhundertste Todestag oder auch der fünfzigste Geburtstag von Neu-Bayreuth-Gründer Wieland Wagner (1917-1966).

Sonntag, 28. August 2016

Opulenter Faust aus Salzburg als Video in der Mediathek













Zum Abschluss der diesjährigen Salzburger Festspiele hat 3sat gestern einen kompletten Mitschnitt der diesjährigen Neuproduktion des Faust von Charles Gounod gezeigt, dieser ist jetzt für eine Woche in der Mediathek des Senders kostenfrei abrufbar! Der erste Eindruck von der Inszenierung von Reinhard von der Thannen, der hier auch als sein eigener Kostüm- und Bühnenbildner agiert, bleibt allerdings merkwürdig unentschlossen. Optisch bietet die Aufführung durchaus viel, die weite Bühne des Großen Festspielhauses wird gekonnt bespielt, aber von einem analytischen Zugriff auf das Riesenwerk kann leider keine Rede sein. Weder gibt es tiefere Einsichten über den Stoff zu vermelden, noch darüber, warum die Oper gerade jetzt erstmals in den Salzburger Spielplan aufgenommen wurde, was ja repertoiretechnisch durchaus zu begrüßen ist. Die Protagonisten und auch der Chor sind über weite Strecken gut geführt, manche Details wirken dennoch merkwürdig unausgearbeitet und nahe am Klischee. Man wähnt sich im Laufe des langen Abends immer mehr in einer weichgespülten Fortsetzung des Bayreuther Ratten-Lohengrins von Hans Neuenfels aus dem Jahr 2010, der ebenfalls von Reinhard von der Thannen ausgestattet wurde. Nur dass dort ein wagemutiger Künstler-Regisseur, den schwelenden Konflikten zum Ausbruch verholfen hat und das eben manchmal auch mit der Brechstange. Ach, hätte man doch in Salzburg Hans Neuenfels mit ins Regieteam verpflichtet, er hat doch diesen Sommer frei. Die Aufführung hätte große Chancen gehabt, ein Ereignis zu werden. Die richtig zündende Gesellschaftskritik gab es im vielgerühmten Lohengrin damals übrigens auch nicht, da waren auch eine Menge Oberflächenreize im Spiel. Vom Kunstgewerbe zur Kunst ist es eben manchmal nur ein kleiner Schritt, aber zurück eben auch! Besetzungstechnisch müsste man dann aber für Tenor Piotr Beczala eine Alternative finden, denn der führt ja bekanntermaßen eine schwarze Liste von weniger werktreuen Regisseuren, mit denen er nicht arbeitet und Hans Neuenfels dürfte auf dieser im oberen Mittelfeld zu finden sein. Das wäre wirklich schade, denn er macht seine Sache als Faust richtig gut, das ist mehr als rollendeckend, große Präsenz und schöne Stimmführung bis in die Höhe hinauf. Auch Ildar Abdrazakov als Mephisto überzeugt mit einer virilen Darstellung und einer ausgewogenen Stimmführung. Keinen ganz guten Tag hatte Maria Agresta, in deren Solonummern hin und wieder Grenzen aufscheinen, ihrer Figur hat Gounod mit der Maguerite allerdings auch eine Hammerpartie geschrieben, an die sich schon ganz andere Sängerinnen nicht rangetraut haben. Orchester und Chor sind unter der der besonnenen Leitung von Alejo Pérez in der richtigen Mischung von souverän bis prachtvoll disponiert. Alles in allem haben Freunde der opulenten französischen Musik des 19. Jahrhunderts einen schönen Abend und das ist doch auch schon mal was.

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